Alle Jahre wieder findet im Februar der Safe Internet Day (SID) statt. Eine gute Gelegenheit zu schauen, welche Online-Themen Kinder und Jugendliche beschäftigen. Die Initiative klicksafe.de, die auf nationaler Ebene die Aktivitäten rund um dem SID koordiniert, stellte ihn in diesem Jahr unter das Motto „KI and me. In künstlicher Beziehung“, also auf den Einfluss generativer KI-Bots und virtueller Begleiter auf die zwischenmenschliche Kommunikation und emotionale Bindungen von Kindern und Jugendlichen.
Passend zum Thema des Safer Internet Day wurden die Ergebnisse des Forschungsverbunds EU Kids Online veröffentlicht, die auf quantitativen und qualitativen Daten von über 25.000 Jugendlichen basieren (Staksrud et al., 2026). Von Seiten des Leibniz-Instituts für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI) haben wir Daten aus 15 qualitativen Interviews in die qualitative Teilstudie eingebracht (Thiel, Lampert, Memis, 2026). Die Ergebnisse aus den Interviews, die wir mit den deutschen Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren geführt haben, lassen sich wie folgt zusammenfassen:
1 KI ist im Alltag Jugendlicher fest verankert, vor allem im schulischen Kontext
Alle befragten Jugendlichen verfügen über Erfahrungen mit KI-gestützten Anwendungen, insbesondere mit ChatGPT. Die Nutzung konzentriert sich meist auf wenige Angebote und variiert stark in ihrer Häufigkeit – abhängig vom individuell wahrgenommenen Nutzen. Besonders im schulischen Bereich wird KI vielseitig eingesetzt: zur Informationssuche, zum Erstellen und Zusammenfassen von Texten und Präsentationen, zum Lösen von Aufgaben, für Erklärungen oder zur Bildgenerierung. Dabei zeigen sich zwei zentrale Nutzungsformen: eine passiv-delegierende Nutzung, bei der Aufgaben weitgehend an KI ausgelagert werden, und eine unterstützende Nutzung, bei der KI Lernprozesse begleitet und vertieft.
2 Generative KI gewinnt auch außerhalb der Schule an Bedeutung – bei gleichzeitiger Risikowahrnehmung
Über schulische Zwecke hinaus nutzen Jugendliche generative KI zunehmend zur Bewältigung von Alltagsproblemen und persönlichen Herausforderungen. KI wird dabei teilweise als Kommunikationspartner*in wahrgenommen. Dabei sind sich die Jugendlichen verschiedener Risiken bewusst. Dazu zählen Desinformation, Deepfakes, fehlerhafte Ergebnisse, Missbrauch KI-generierter Inhalte (z. B. manipulierte Bilder), mögliche Kompetenzverluste durch Auslagerung von Denkprozessen, veränderte Schönheitsideale sowie gesellschaftliche Folgen wie Arbeitsmarktveränderungen oder sicherheitspolitische Risiken.
3 Es besteht Unterstützungs- und Reflexionsbedarf im Umgang mit KI
Die Interviews zeigen, dass sich die Jugendlichen den Umgang mit generativer KI derzeit überwiegend selbstständig aneignen. Dadurch entstehen ungleiche Wissensstände und Kompetenzen. Systematische Begleitung oder pädagogische Einbettung findet bislang kaum statt. Angesichts der wachsenden Verbreitung relationaler KI-Systeme besteht daher ein Sensibilisierungsbedarf bei Eltern und Fachkräften – insbesondere hinsichtlich beziehungsbezogener Aspekte. Zudem sind Räume wünschenswert, in denen Jugendliche ihre Nutzungspraxen sowie die Ambivalenz zwischen praktischem Nutzen und potenziellen Risiken gemeinsam reflektieren können
Referenzen
Staksrud, E., Mascheroni, G., Milosevic, T., Ní Bhroin, N., Ólafsson, K., Şengül-İnal, G., & Stoilova, M. (2026). European Children’s Use and Understanding of Generative AI. EU Kids Online 2026. https://doi.org/10.21953/researchonline.lse.ac.uk.00137132
Thiel, K., Lampert, C., & Memis, E. (2026). Generative KI aus Sicht von Jugendlichen. Eine qualitative Studie im Rahmen des Projekts „EU Kids Online“. Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut, Februar 2026. https://doi.org/10.21241/ssoar.108066
